7 So, Feb 11. 2007
Ich hatte vor einiger Zeit eine interessante Unterhaltung mit einem Bekannten.
Ich: Und deine Konfession, wenn ich fragen darf....
Er: Katholischer Atheist
Ich: Katholischer Atheist ?
Er: Ja, genau! Ich habe nämlich einige Freunde, die evangelische Atheisten sind und so habe ich gemerkt, dass sie nicht an den gleichen Gott glauben an den ich nicht glaube.
"Niemand weiß ob er gläubig ist oder nicht" E. M. Cioran
6 Fr, Feb 9. 2007
E. M. Ciorans Schlüsselwort in vielen seiner Aphorismen war Luzidität. Lu-zi-di-tät. Klarheit. In einem seiner Aphorismen schreibt er "ein von Klarsicht zerschlagener Blick". Friedrich Hölderlin hatte, in einem meiner Lieblingsgedichte von ihm, keinen von Klarsicht zerschlagenen Blick. Im "Gott der Jugend" ist der Blick von Hoffnung verklärt und nicht von der Klarsicht zerschlagen. Der Cafard, zu Deutsch wohl der Katzenjammer, kam spät aber doch, als er sich im Turm einschloss. Hier aber wie gesagt ist er noch voller Hoffnung, hier scheint noch des Himmels Schöne und hier mischen noch brüderlich in unseres Herzens Töne, des Frühlings Laute sich.
Der Gott der Jugend - Friedrich Hölderlin
Gehn dir im Dämmerlichte, Wird da, wo sich im Schönen So such im stillen Tale Wie unter Tiburs Bäumen, Und wie um Platons Hallen, So schön ist's noch hienieden! Drum such im stillsten Tale |
5 Mi, Feb 7. 2007
"stiller Tod im Gegensatz zu einem mit Schmerzparoxysmen" - "Chopin" von Gottfried Benn
http://cat-ra.universal-music-group.com/_classic/_ram/s1/602498699546_01_17_00.00-01.30_s1.ram
http://www.youtube.com/watch?v=iu5USR73COs (meine Tante sagte immer nur "die traurige Melodie", aber in Wirklichkeit heißt es "Prelude e minor")
4 Mi, Feb 7. 2007
"Aus Einst und Immer und Nie" - "Schumann" von Gottfried Benn
http://cat-ra.universal-music-group.com/_classic/_ram/s1/602498699546_01_18_00.00-01.56_s1.ram
http://www.youtube.com/watch?v=qq7ncjhSqtk&mode=related&search=
3 Mi, Feb 7. 2007
Heute war ein verregneter Tag. Ich hatte Amtswege zu erledigen und so war ich in der Stadt. Als ich am späten Nachmittag; nicht mehr Tag und noch nicht Abend (für vieles ist es da zu spät, für vieles noch zu früh); nach Hause ging schien das fahle Sonnenlicht dumpf auf die langgezogenen Hauptstraßen der Vorstadt.
Da kam mir Charles Baudelaire in den Sinn mit seinem Spleen-Zyklus aus den Fleurs du Mal.
Schwermut
Dem Regenmonat ist die Welt zuwider,
Aus seinem kalten Fass in Strömen rinnt
Das Grauen auf den nahen Kirchhof nieder,
Und Sterben auf der Vorstadt Labyrinth.
Die Katze reckt die kranken, magren Glieder
Und sucht ein warmes Plätzchen. Es beginnt
Gespenstisch Stöhnen in der Traufe wieder,
Des toten Dichters Geist, der scheu entrinnt.
Der Brummbass klagt, und halbverkohlte Reiser
Knistern im Fistelton, die Uhr tickt heiser,
Indes im Spiel, von schmutzigen Düften voll,
Der eklen Erbschaft einer Krankenstube,
Herzdame und der schöne Karobube
Von einer Liebe flüstern, die verscholl.
2 Sa, Feb 3. 2007
Ars longa, vita brevis, occasio praeceps, experimentum periculosum, iudicium difficile
http://www.youtube.com/watch?v=_am1ydf8QRA
http://www.youtube.com/watch?v=GalPjsNX6mE&mode=related&search=
1 Sa, Feb 3. 2007
"......Von Blumen mußt du solche wählen,
die blühn am Zaun und halb im Acker schon,
die in das Zimmer tun, die Laute zählen
des Lebens Laute, seinen Ton:......"
Aus: "Melancholie" von Gottfried Benn
25.02.2006 - "Die Presse" Spectrum / Zeichen der Zeit
Das Handwerk des Lebens
VON MARIUSZ SZCZYGIEL
Die Hausfrau Janina Turek aus Krakau notierte über ein halbes Jahrhundert alles, was sie gesehen, gehört und getan hatte. Ununterbrochen, Tag für Tag. 71.042 Eintragungen: die Buchführung des Alltags.

